Die Entstehung von Hemau und die Stadterhebung im Jahre 1305

(erstellt von Altbürgermeister Hans Schuster)


In dem Dorf Schacha - unweit von Hohenschambach - lebte einst ein Rittergeschlecht namens Hem. Allmählich aber starb dasselbe im männlichen Stamme aus, nur mehr zwei weibliche Nachkommen verwalteten den Edelsitz. Bei Lebzeiten schon machten beide das Gelübde, über ihren Grabeshügeln ein Kirchlein erbauen zu lassen. Zwei Stiere sollten so ihren Leichnam auf einem Wagen fortführen und am Platze ihrer ersten Rast müsste dann ihre letzte Ruhestätte errichtet werden. Auf dem Mönchsbergweg entstand deswegen ein Kirchlein - und seitdem hieß man die Stätte Hemma, das ist Hemau.
Soweit die Sage, sie ist natürlich eine Legende. Schon im 9. Jahrhundert wird die stolze Feste „Hembaur" der Grafen von Hirschberg erwähnt, auf welcher Dienstmänner die Burghut ausübten. Die Mönche des Klosters Prüfening hatten schon bald auf dem Tangrintel eine umfangreiche Rodungstätigkeit begonnen und durch Schenkungen eine ausgedehnte Grundherrschaft erworben. Um 1200 muss Hemau schon eine selbständige Pfarrei gewesen sein, denn in einer Urkunde von 1224 erscheint ein Pfarrer Eglof aus Hemau als Zeuge. Um das Jahr 1250 dürfte das Dorf sich bereits zum Markt entwickelt haben. Hadamar 1. von Laaber fertigte eine Urkunde vom 12. August 1273 („In foro Hembur"). Damit ist bezeugt, dass Hemau 1273 Marktrechte und einen Marktcharakter hatte. Die Vorstufe zur Stadt war erreicht. Doch wann ist Hemau zur Stadt erhoben worden und durch wen?

Der letzte Graf von Hirschberg, Graf Gebhard VII., war kinderlos. In seinem Testament vom Jahre 1293 vermachte er das ganze Gebiet Herzog Ludwig dem Strengen. Dieses Testament trat beim Tode Gebhards am 4. März 1305 in Kraft. Aus dem Lehensbrief des Bischofs Wulfing von Bamberg vom 3. Dezember 1305 erfährt man, dass dieser die Stadt Hemau und den Tangrintel nunmehr den Herzögen Rudolf und Ludwig zu ewigen Lehen überträgt. Damit ist Hemau auf das Haus Wittelsbach übergegangen.

Diese Urkunde ist für Hemau die eigentliche Geburtsstunde als Stadt. Hemau ist also zwischen dem 2. August 1273 und dem 3. Dezember 1305 zur Stadt erhoben worden.

Warum nun 1926 mit einem reichhaltigen Programm 21 Jahre verspätet die Stadt­erhebung feierlich begangen wurde, hat folgenden Grund: Am 16. März 1326 beurkundete Dietrich von Parsberg, dass König Ludwig (Ludwig der Bayer) von ihm und seinen Geschwistern den Reitstein gekauft habe. Außerdem bedingt sich der Parsberger die Verpfändung der „Stadt zu Hembur" mit der Steuer und dem Gerichte sowie die kaiserliche Hilfe zu dem Rechtshandel, den er, seine Mutter und seine Geschwister gegen den Wildensteiner hätten. Dieses Dokument war deshalb von besonderer Bedeutung, weil es damals vermeintlich das erste Schriftstück war, worin Hemau als Stadt bezeichnet wurde. Diesbezügliche Recherchen Anfang der 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts widerlegten aber diese Behauptung.

Unterlagen in verschiedenen Archiven in Bayern belegen eindeutig, dass Hemau 1305 zur Stadt erhoben wurde. 2005 kann Hemau deshalb das 700-jährige Jubiläum feiern. Bis dahin wird die „Kulturmeile" zwischen dem Klopferlweg bis zur Riedenburger Straße, vom Stadtpark mit freigelegter Wasserzisterne, Propsteigebäude (jetziges Rathaus) über den restaurierten Zehentstadel zum Alten Rathaus in Gänze fertig gestellt sein.